
Wie ich Radionik-Software wie ein Lastenheft prüfe
Die Zahl auf dem Schmierblock lag höher, als ich erwartet hatte, und ich habe sie sicherheitshalber ein zweites Mal nachgerechnet: Kurslänge geteilt durch Modulanzahl, das Ergebnis geteilt durch den Kaufpreis. Rund zweiundvierzig Euro pro Modulstunde bei einem der drei Radionik-Kurse, die inzwischen Teil meiner privaten Schmerz-Dokumentation sind. Kein Betrag, den man nebenbei ausgibt, und genau deshalb wollte ich wissen, was für das Geld an Substanz drinsteckt. Meine ingenieurmäßige Perspektive stammt aus zweiunddreißig Jahren Signaltechnik bei Siemens Mobility, und die bekomme ich bei diesem Thema nicht mehr abgelegt. Irenes Fibromyalgie-Alltag ist der Anlass, warum ich Radionik-Software überhaupt systematisch prüfe statt sie nur auszuprobieren. Wie genau ich darauf gestoßen bin, habe ich an anderer Stelle beschrieben, hier geht es um die Methode.
Drei Kurse und zwei Software-Titel liegen inzwischen in meinem Ringbuch nebeneinander, jeder mit eigenem Registerreiter. Kurs eins bringt es auf 8,5 Stunden Videomaterial, verteilt auf 12 Module — daraus kommt die Modulstunden-Rechnung vom Anfang. Bei der zugehörigen Software zähle ich 14 Interface-Klicks bis zum ersten Scan, was ich für eine Anwendung, die sich an medizinische Laien richtet, für zu viel halte. Das Glossar listet 145 Begriffe auf, einige davon doppelt erklärt, manche gar nicht. Diese vier Kennzahlen — Videostunden, Modulanzahl, Klickpfad, Glossarumfang — sind mein Mindestraster für jeden Anbieter, bevor ich mir überhaupt eine Meinung zum Inhalt erlaube.

Was kostet eine Modulstunde wirklich?
Ein Video aus Modul 6 habe ich bei Minute 9:20 abgebrochen. Der Referent sprach von universellen Resonanzmustern, ohne auch nur einen Satz zu liefern, der sich technisch nachvollziehen ließ. Für mich ein Messfehler erster Ordnung schon in der Prämisse, und die restliche Laufzeit habe ich mir gespart. Nicht jedes Modul verdient die volle Aufmerksamkeit, nur weil man dafür bezahlt hat. Wenn ich danach den Kopf freibekommen musste, bin ich eine Runde um den Kreativpark Alter Schlachthof gelaufen, keine zehn Minuten von zu Hause. Mit Ruprecht Kämmerer, meinem früheren Kollegen aus der Rheinhafen-Abteilung, habe ich über solche Aussteiger-Module mal am Telefon gesprochen; er paddelt inzwischen mittwochs auf dem Rhein und hält von Radionik grundsätzlich wenig, hört sich meine Kritik an Begriffen wie 'kosmische Feldharmonie' aber gern an. Wer selbst prüft, ob sich die Anwendung von Radionik-Raten im Alltag für die eigene Dokumentation lohnt, sollte genau an solchen Aussteiger-Stellen genau hinschauen, nicht nur auf die Gesamtstundenzahl im Werbetext.
Der vollständige Marktüberblick über Kosten pro Modulstunde liegt an anderer Stelle vor; hier zählt nur, was die drei Titel in meinem eigenen Raster liefern. Die feinen Unterschiede in den Klickpfaden zwischen den beiden Software-Titeln sind ebenfalls ein eigenes Thema, das ich andernorts im Detail durchgegangen bin — an dieser Stelle reicht die Feststellung, dass 14 Klicks bis zum ersten Scan für eine Zielgruppe ohne IT-Hintergrund grenzwertig sind.
Schmerz-Dokumentation und die Beobachter-Falle
Anfangs haben wir Irenes Schmerzpunkte mehrmals täglich abgefragt und mit den Radionik-Scans abgeglichen. Sie hat mir irgendwann gesagt, dass sie sich dadurch gedanklich fast ständig mit dem Schmerz beschäftigt hat, auch an Tagen, an denen es ihr eigentlich besser ging. Das war keine Aussage über Radionik, sondern über die Abfragefrequenz — und die lässt sich ohne Weiteres ändern, ganz unabhängig davon, was man von der Methode dahinter hält. Für die Signaltechnik gilt die Regel, dass engmaschige Überwachung ein System stabiler macht. Bei einer subjektiven Schmerzeinschätzung scheint häufigeres Nachfragen eher das Gegenteil zu bewirken.
Ich erfasse weiterhin die technischen Parameter der Software-Updates und die Lernkurve der Kurse, die ich übrigens oft in einem Vergleich zwischen Videokurs und Software-Einstieg gegenprüfe, aber die Abfrage bei Irene läuft seltener und ungeplant. Bevor wir bei Radionik überhaupt angekommen sind, stand die Multimodale Schmerztherapie auf dem Zettel — mit einer Warteliste von acht Monaten, die dann kurzfristig abgesagt wurde. Diese Erfahrung ist der Grund, warum ich Wartezeiten und Absagen im konventionellen System inzwischen genauso nüchtern dokumentiere wie Modulstunden bei einem Kursanbieter.

Glossar-Audit: Begriffe gegen Behauptungen prüfen
Wenn du überlegst, eine Radionik-Software zu kaufen, dann behandle das wie eine Abnahmebedingung: Gibt es versteckte Wartungsgebühren, wie viele Schritte braucht die Anlage einer eigenen Ratendatenbank, und was passiert, wenn ein Update das Interface verändert, ohne dass die alten Notizen noch passen? In einem der Kurse wurde behauptet, die Software arbeite 'intuitiv'. Als jemand, der drei Jahrzehnte mit Software zu tun hatte, sage ich: Software arbeitet algorithmisch, und wenn die Intuition des Anwenders die eigentliche Variable ist, muss die Plattform darunter trotzdem stabil bleiben.
Im Glossar zähle ich Begriffe aus der Quantenphysik, die dort wie Werbeslogans verwendet werden. Wenn 'Verschränkung' eigentlich nur 'Zusammenhang' meint, gibt das bei mir Punktabzug. Irene hat mich neulich mit Lineal und Bleistift über einem Ausdruck sitzen sehen und trocken angemerkt, ich würde das prüfen wie eine Abnahme und nicht wie einen Kurs — sie hat damit nicht ganz unrecht. Für die 145 Glossareinträge aus Kurs eins würde eine einzige saubere Referenzliste mit klaren Radionik-Raten reichen; stattdessen verteilt sich die Erklärung auf drei verschiedene Module, ohne dass sich die Definitionen immer decken.

Kein Ersatz, aber ein brauchbares Werkzeug
Ottfried Bömmel, der im selben Forum mitliest wie ich, hat mich vor einiger Zeit gefragt, ob es zu den Modulinhalten auch etwas zum Nachlesen gibt — er kommt mit reinem Videomaterial schlechter zurecht als mit Text. Für ihn wie für mich gilt derselbe Maßstab: Ein Kurs, der seinen Stoff nur als gesprochenes Wort anbietet, verliert bei mir Punkte, ganz unabhängig vom Thema. Radionik ersetzt keinen Termin bei der Rheuma-Ambulanz und keine professionelle Schmerztherapie, das wäre eine riskante Fehleinschätzung, und ich schreibe das so deutlich, weil ich es nicht anders vertreten kann. Was sie bietet, ist ein Werkzeug zur eigenen Beobachtung, nichts weiter.
Eine Regel habe ich für mich festgelegt, damit die Bewertung nicht beliebig bleibt: Liefert ein Modul in den ersten Minuten keine nachvollziehbare Erklärung, fliegt es aus dem Protokoll. Zeigt eine Rate wiederholt eine Tendenz, ohne dass ich Irene täglich danach frage, bleibt sie drin und wird weiterverfolgt. Diese Trennung zwischen Kursbewertung und Irenes tatsächlichem Befinden ist mir wichtiger als jede Einzelbeobachtung — nur so bleibt die Dokumentation ein Werkzeug und wird nicht selbst zur Belastung.