Ein Lastenheft für die Radionik-Software-Installation
Ein Stellwerksrechner darf im Betrieb nicht einfach neu starten. Die Radionik-Software auf meinem Laptop tut genau das, sobald zwei Programme gleichzeitig offen sind, und genau deshalb behandle ich die Installation zuhause wie ein technisches Lastenheft, nicht wie eine x-beliebige Installationsanleitung aus dem Netz.
Ausgangspunkt der ganzen Übung war Irenes Diagnose im Januar 2023. Wie es dazu kam, dass wir überhaupt bei Radionik-Software gelandet sind, hab ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben, hier geht es nur um das, was auf dem Bildschirm passiert, sobald die Installationsdatei einmal heruntergeladen ist.
Warum weniger Hardware oft mehr bringt
Bevor der erste Installationsassistent überhaupt startet, muss die Hardware-Basis stimmen. Eine 64-Bit-Windows-Umgebung ist bei den gängigen Radionik-Programmen im deutschsprachigen Raum keine Option, sondern Voraussetzung, wer noch mit einem alten 32-Bit-System aus meiner frühen Siemens-Zeit hantiert, kommt bei der Datenbank-Einbindung nicht weiter.
Ich installiere bewusst auf einem soliden, älteren Business-Notebook statt auf dem großen Rechner mit drei Lüftern, den ich mir eigentlich für Videoschnitt zugelegt hatte. Der Hersteller schreibt in der Dokumentation, dass zu viel Rechenleistung und Lüfterlärm die Signalqualität der Analyse stören sollen, technisch nachprüfen kann ich das nicht, und offen gesagt bezweifle ich es auch, aber solange die Regel nichts kostet, halte ich mich daran.
Zwölf Klicks bis zum ersten Startbildschirm
Der Download liegt bei den meisten Anbietern bei rund 1,2 Gigabyte, und die Windows-Sicherheitswarnung kommt zuverlässig, weil die Verschlüsselung der Raten-Datenbanken für den Defender wie eine unbekannte Bedrohung aussieht. Eine Ausnahmeregel ist schnell gesetzt, erinnert aber an die Mühe, die es früher gekostet hat, neue Stellwerksdatenbanken im Rheinhafen freizuschalten.
Bei einem der Erklärvideos zur Treiberinstallation hab ich nach neun Minuten vierzig abgebrochen, weil die einzige Anweisung lautete, man solle 'einfach darauf vertrauen', dass der Port erkannt wird. Für eine Schnittstellenfreigabe ist Vertrauen keine Kategorie, entweder der Treiber ist signiert oder er ist es nicht, also hab ich die Zuordnung manuell über den Gerätemanager gemacht. Insgesamt zähle ich zwölf Klicks bis zum ersten Startbildschirm, vom Doppelklick auf die Installationsdatei bis zur Eingabe der Bestell-ID; wie sich diese Klickpfade zwischen den beiden Software-Titeln im Detail unterscheiden, hab ich andernorts Schritt für Schritt verglichen, hier zählt nur die nackte Zahl.
Damit das System beim ersten Start überhaupt reagiert, muss man außerdem eine erste Rate manuell eintragen. Was eine Rate im radionischen Sinn genau ist und wie sich die Datenbanken der drei Anbieter unterscheiden, hab ich andernorts im Detail durchdekliniert, hier zählt nur, dass ohne diesen einen Eintrag gar nichts passiert. Falls der Treiber davor schon stumm bleibt, hilft meistens nur der Support der Anbieter; wie schnell die auf Anfragen reagieren, hab ich in einem separaten Bericht über Radionik Software Support und Dokumentation für Privatanwender im Test dokumentiert.
Wer ruft an, wenn der Treiber nicht will?
Ruprecht Kämmerer, ein ehemaliger Kollege, hat am Telefon nur gelacht, als ich ihm von der Gerätemanager-Fummelei erzählt hab. Er würde so eine Schnittstellenzuordnung lieber handschriftlich protokollieren, sagt er, genau wie er bis heute sogar seine Einkaufslisten von Hand schreibt.
Ottfried Bömmel, der im selben Forum mitliest wie ich, hat mir kurz vor der Installation geschrieben und gefragt, ob die Neukonfiguration wirklich jedes Mal so zäh sei. Er nutzt eine der beiden Software-Titel schon seit Jahren, hat aber, wie er selbst einräumt, noch nie ein Kursmodul komplett durchgezogen. Ob man eigentlich eher mit dem Videokurs oder gleich mit der Software anfangen sollte, ist ohnehin eine andere Debatte, die ich woanders aufgedröselt habe; was so ein Modul am Ende pro Stunde kostet, steht ebenfalls an anderer Stelle, für die reine Inbetriebnahme reicht die Feststellung, dass die Lizenz mit der Bestell-ID sofort aktiv war und keine Nachinstallation von Zusatzpaketen nötig wurde.
Am Nussbaum-Schreibtisch, in Woche acht
Der Nussbaum-Schreibtisch steht im Lichtkegel einer LED-Lampe, die auf Stufe drei eingestellt ist, Laptop mittig, Taschenrechner und der Stifthalter aus Metall direkt daneben. Freitagabend ist bei uns Arbeitsfenster ohne Fernseher und ohne Unterbrechung, das war schon vor der Radionik-Phase so.
Das A4-Ringbuch liegt daneben, mit Leder-Registerlaschen nach Kurs und Modulblock durchnummeriert. Jedes Mal, wenn ich eine neue Trennlasche einsortiere, macht das kurze, metallische Klacken der aufspringenden Ringe das einzige Geräusch im Zimmer.
In der achten Woche, in der die Konfiguration inzwischen lief, hab ich bei einem der Video-Tutorials nach zwölf Minuten pausiert, nicht wegen des Inhalts, sondern weil mir auffiel, dass Irenes Einträge im Schmerztagebuch dieser Woche flacher ausfielen als sonst. Ich hab mit dem Bleistift eine kurze Zeile an den Rand meines Ringbuchs gesetzt, bevor ich weitergeschaut hab. Das war nach der Physiotherapie, sechs Sitzungen ohne anhaltenden Effekt, die erste Woche seit Langem, in der sie mich nicht einmal nach einer zusätzlichen Schmerztablette gefragt hat. Ich vermerke das in meiner Tabelle als einen Datenpunkt, nicht als Beweis, was Irene wirklich hilft oder nicht, entscheidet nach wie vor ihre Rheuma-Ambulanz, nicht mein Ringbuch. Sie hat kurz aus der Küche gefragt, ob ich schon wieder 'mit dem komischen Programm' arbeite, und ist dann ohne weiteren Kommentar zurück zu ihrem Buch gegangen.
Am Ende steht ein kalibriertes System
Zwei Stunden hat die komplette Inbetriebnahme an diesem Abend gekostet, von den ersten Ausnahmeregeln im Defender bis zur korrigierten Datenbank-Pfadangabe. Am Ende stand ein System, das lief, nicht eines, das irgendetwas versprach.
Wer selbst vor der Installation steht, sollte sich von der Verkaufssprache mancher Anbieter nicht beirren lassen und die Software schlicht wie ein Werkzeug behandeln: Systemvoraussetzungen prüfen, jede Ausnahmeregel und jeden Klick protokollieren, und vor allem jede Stelle im Kursmaterial notieren, die sich nur mit 'einfach vertrauen' begründen lässt, statt mit einer nachvollziehbaren Erklärung. Genau an diesen Lücken unterscheidet sich ein Kurs von einem seriösen Lastenheft, dokumentieren lohnt sich, auch wenn am Ende nur eine Handvoll Datenpunkte dabei herauskommt.