
Ein Radionik-Programm wirkt wie das Armaturenbrett eines Raumschiffs, randvoll mit Reglern und Auren-Grafiken; ein anderes zeigt beim Start nur eine graue Tabelle, die aussieht, als käme sie direkt aus den Neunzigern, und ausgerechnet die graue Tabelle hat in unserem Vergleich zur Benutzerfreundlichkeit weniger Fehleingaben produziert. Seit Irenes Fibromyalgie-Diagnose, dokumentiert unter dem Stichwort ACR-Kriterium, geht es in unserem Haushalt in Karlsruhe-Durlach nicht um Wunderheilung, sondern um saubere Datenanalyse: Welche Radionik-Software bietet eine Benutzeroberfläche, die jemand mit eingeschränkter Konzentration überhaupt durchhält? Ich bin kein Heilpraktiker und kein Arzt, sondern pensionierter Entwicklungsingenieur, und ich behandle jede Benutzeroberfläche wie ein Lastenheft: was versprochen wird, was tatsächlich geliefert wird, und wo es klemmt.
Zwei Philosophien der Benutzerfreundlichkeit: bunt oder nüchtern
Zwölf Menüebenen gegen vier, so unterschiedlich sind allein die Wege zur ersten Analyse bei den beiden Programmen, die in diesem Vergleich nebeneinanderstehen. Die farbenfrohe Variante lockt mit animierten Wellenformen und einem Glossar mit weit über hundert Einträgen, von denen mehr als die Hälfte im eigentlichen Interface nirgendwo wieder auftaucht. Für einen Ingenieur ist das ein Messfehler erster Ordnung: Eine Dokumentation, die nicht zum System passt, ist wertlos, egal wie viele Untermenüs sie erklärt. Welche einzelnen Funktionen sich hinter den Menüs verbergen, rechne ich an anderer Stelle Funktion für Funktion durch, ebenso wie die Frage, ob ein Videokurs mit Begleitheft für den Einstieg mehr bringt als eine reine Software – hier zählt nur, wie sich die Oberfläche beim ersten Kontakt anfühlt.
Mein früherer Kollege Ruprecht Kämmerer, der nichts für technisch belastbar hält, das nicht irgendwo eine IEC-Norm im Rücken hat, hätte bei der bunten Oberfläche vermutlich nur den Kopf geschüttelt. Die nüchterne Variante dagegen sieht aus, als hätte sie die grafische Entwicklung der letzten zwanzig Jahre komplett verschlafen: keine Bilder, nur Tabellen, eine einzige Schriftart. Genau das hat sich im Alltag als Vorteil erwiesen, weil ohne pseudotechnische Anzeigen, die nichts anzeigen, mehr Aufmerksamkeit für die eigentliche Eingabe der Raten bleibt. Wie diese Ratendatenbanken aufgebaut sind und wie man die passenden Zahlencodes dafür korrekt einträgt, sind zwei eigene Themen, die ich hier bewusst ausklammere.

Macht eine schlichte Oberfläche wirklich weniger Fehler?
Skeptisch war ich selbst zuerst bei der Tabellen-Variante. Keine Grafik heißt nicht automatisch weniger Fehler, dachte ich, und das wollte ich nachrechnen statt einfach zu glauben. Im direkten Vergleich zeigte sich: Die Fehlerquote bei der Dateneingabe war bei der Tabellen-Variante niedriger, einfach weil keine Ablenkung durch unnötige Schaltflächen vorhanden war. Irene fand die Optik anfangs trocken bis abschreckend, hat aber nie verlangt, zur bunten Variante zurückzuwechseln – das ist für mich aussagekräftiger als jede Umfrage unter Einsteigern.
Im Forum schrieb neulich ein Mitleser namens Ottfried Bömmel, man solle einfach nehmen, was sich intuitiv gut anfühlt, ohne ein Wort zum Preis oder zum Zeitaufwand, den man dafür einplanen muss. Für einen Einsteiger ohne besondere Anforderungen mag das reichen. Für eine Entscheidung, die ein chronisch kranker Mensch über längere Zeit mit eingeschränkter Energie durchhalten soll, reicht mir das nicht als alleiniges Kriterium.
Ein Systemabsturz mitten in einer Analyse ist für mich, mit dem Blick aus der Signaltechnik, vergleichbar mit einer Störung auf freier Strecke: nicht tragbar. Wer sich für die technischen Voraussetzungen interessiert, wird in meinem Bericht zur Kaufberatung für Windows 11 Heimanwender fündig – dort geht es um Systemanforderungen im Detail, nicht um Oberflächen.
Klickpfade, Abbruchstellen und eine Rechnung in Euro pro Stunde
Für beide Programme habe ich die Interface-Schritte mitgezählt: zwölf Klicks bis zur ersten Datenbankabfrage bei der einen Software, vier bei der anderen. Hochgerechnet auf tägliche Nutzung über ein Jahr ist das kein Rundungsfehler, sondern Bildschirmzeit, die sich summiert, gerade an Tagen, an denen Irenes Konzentration ohnehin eingeschränkt ist, zählt jeder unnötige Klick doppelt. Ein Modul der bunten Software habe ich nach neun Minuten abgebrochen, weil der Referent im Video drei Menüebenen übersprang, ohne den Pfad zu erklären – in einem Abnahmeprotokoll wäre das ein K.O.-Kriterium gewesen. Insgesamt habe ich über fünfzig Stunden Videomaterial gesichtet und für einen der beiden Kurse einen Preis von 28 Euro pro Modulstunde errechnet, ohne dass ein brauchbares Glossar beilag – wie diese Rechnung für jedes Angebot im Detail aufgestellt wird, zeige ich in einem eigenen Vergleich der Anschaffungskosten.
Ob man dafür überhaupt reine Software braucht oder ob zusätzliche Hardware wie ein Pendel oder ein Biotensor sinnvoll ist, ist eine andere Frage, die ich an anderer Stelle einordne, ebenso wie die Frage, ob eine Cloud-Lösung oder eine lokal installierte Desktop-Version die bessere Wahl ist. Für die Lizenzmodelle und die Update-Politik der beiden Anbieter gilt dasselbe, und auch die Installation selbst – vom Download bis zum ersten startklaren Zustand – sowie die Qualität des Supports, falls beim Einspielen eines Updates etwas klemmt, sind Themen für eigene Artikel.

Das Ringbuch prüft nach, was die Software behauptet
Parallel zur Software führe ich ein A4-Ringbuch mit Leder-Registerlaschen, sortiert nach Kurs und Modulblock, an einem festen Freitagabend-Zeitfenster ohne Fernseher und ohne Unterbrechung. Jede Analyse, jede Rate, jeder Zeitstempel wird dort notiert, nicht weil ich der Software misstraue, sondern weil Reproduzierbarkeit für mich kein Nice-to-have ist. Wie ein solches Protokoll im Detail aufgebaut sein sollte, habe ich an anderer Stelle ausführlich dokumentiert; hier reicht die Feststellung, dass keine der beiden Programme diese Dokumentation ersetzt.
Exportfunktionen bieten beide Programme an, aber die Formate sind unterschiedlich entgegenkommend. Ein saubere CSV-Export, der sich ohne Klimmzüge in eine Tabellenkalkulation übernehmen lässt, ist für mich das Minimum, keine Kür. Wer gesundheitsbezogene Verlaufsdaten über längere Zeit sammelt, sollte sich zudem fragen, wo diese Daten landen und wer sie mitlesen kann – eine Frage, die ich in einem separaten Artikel zur Datensicherheit vertiefe. Wer tiefer in die Datenbankstruktur einsteigen möchte, findet in meinem Radionik Software für Ingenieure ohne Esoterik weitere Details dazu.
Vor ein paar Tagen hat Irene das Ringbuch kurz in die Hand genommen, zwei, drei Seiten durchgeblättert, einmal genickt und es wortlos zurückgelegt. Mehr Kommentar gab es nicht, aber ich habe es als Zustimmung gewertet – nicht zur Software, sondern zu der Ordnung, die dahintersteckt.
Welche Oberfläche für wen, mein Fazit aus Durlach
Keine der beiden Softwarelösungen ersetzt für Irene die Rheuma-Ambulanz oder den Hausarzt, das stelle ich klar, sobald das Thema im Forum aufkommt. Die Physiotherapie, sechs Sitzungen auf Überweisung, hatte bei ihr keinen anhaltenden Effekt, und auch das gehört in die Datenlage, nicht als Kritik an der Therapeutin, sondern als Randnotiz zu dem, was vorher schon versucht wurde. Nach einer Vergleichsrunde am Schreibtisch drehe ich oft eine Runde durch die Günther-Klotz-Anlage, einfach um den Kopf wieder freizubekommen, bevor die nächste Software startklar gemacht wird.
Wer technisch wenig Vorerfahrung hat und sich von einer aufgeräumten Optik nicht verunsichern lässt, ist mit der nüchternen, tabellenbasierten Software besser bedient: weniger Klicks, weniger Fehleingaben, kein Glossar, das an der Oberfläche vorbeiredet. Wer dagegen auf visuelle Rückmeldung nicht verzichten will und bereit ist, die zusätzlichen Klicks und den höheren Preis pro Modulstunde in Kauf zu nehmen, kann mit der bunten Variante ebenfalls arbeiten, sollte das Glossar aber vorher querlesen und selbst prüfen, ob die Begriffe im Interface tatsächlich wieder auftauchen. Wenn du selbst vor dieser Entscheidung stehst, würde ich dir raten, nicht auf die Optik zu schauen, sondern auf die Anzahl der Klicks bis zur ersten Analyse und auf das, was im Glossar wirklich wiederzufinden ist.