
Es ist Freitagabend, kurz nach acht. Draußen im Durlacher Abendrot zieht der Turmberg-Lift seine letzte Bahn, ein leises Surren, das man hier im 70er-Jahre-Reihenhaus nur hört, wenn die Fenster auf Kipp stehen. Ich sitze an meinem Nussbaum-Schreibtisch, vor mir die dampfende Karlsruhe-SC-Tasse und mein neues A4-Ringbuch mit der Registereinteilung „Systemanalyse Radionik“. Irene liegt im Nebenzimmer auf dem Sofa, das Buch ist ihr schon auf die Knie gerutscht, die Erschöpfung nach einer Woche in der Stadtteilbibliothek und den Fibromyalgie-Schüben fordert ihren Tribut. Ich habe mich gerade zum ersten Mal in das Dashboard vom MeineRadionik Premium Videokurs eingeloggt. Vier Interface-Klicks vom Login bis zum ersten Video – das ist eine akzeptable Usability, da habe ich bei Siemens-interner Software schon Schlimmeres erlebt.
Die Bestandsaufnahme: Was liefert das Paket?
Bevor ich den ersten Schieberegler bewege, habe ich das Material gesichtet. Als Entwicklungsingenieur fange ich nicht einfach an zu basteln; ich erstelle ein Abnahmeprotokoll. Der Kurs umfasst 42 Lektionen. Bei einem Anschaffungspreis von 297,00 Euro auf DigiStore24 ergibt das einen Preis von etwa 7,07 Euro pro Modulstunde, wenn man die Gesamtlaufzeit von 540 Minuten zugrunde legt. Das Videomaterial ist in logische Funktionsgruppen unterteilt, was mir entgegenkommt. Ich habe die 68 Seiten in meinem Ringbuch bereits mit Tabellen für die Schmerzkurven meiner Frau vorbereitet.
Ich dachte mir: Wenn ich ein Stellwerk im Rheinhafen steuern kann, werde ich wohl auch mit einem Schieberegler in einer Software klarkommen. Die Radionik nutzt numerische Repräsentationen – sogenannte Raten – für organische Zustände. Das klingt für einen Nachrichtentechniker erst einmal nach einer Form von Datenkompression oder Adressierung. Ob das System dahinter eine physikalische Basis hat, die ich mit meiner alten Schiebelehre messen kann, die hier gerade als Briefbeschwerer auf den Ausdrucken der Raten liegt, bleibt offen. Aber in der Signaltechnik gilt: Wer misst, hat recht. Und wir brauchen Daten.
Schritt 1: Die Initialisierung und das Setup
Der Start im Kurs ist sachlich gehalten. Man lernt zuerst, wie man ein Profil anlegt. Ich habe Irene als „Prüfling“ angelegt – rein prozessual natürlich. Man braucht ein Foto oder eine Haarprobe. Da ich kein Labor im Keller habe, nahmen wir ein aktuelles Digitalfoto. Der Kurs erklärt in den ersten fünf Videos (Durchschnittslänge 12,8 Minuten), wie man die Software mit dem Foto synchronisiert.
Ein wichtiger Punkt, den ich aus meiner Erfahrung mit Radionik Software im Vergleich für Einsteiger ohne Esoterik-Vorkenntnisse mitgenommen habe: Die Software nutzt oft PC-Systemzeit-Abfragen oder weiße Rausch-Generatoren zur Datenermittlung. Man muss sich darauf einlassen, dass die Hardware hier der Zufallsgenerator ist, der als Schnittstelle zum Informationsfeld dient. Das Glossar im Kurs umfasst übrigens 124 Einträge – von „Abstimmknopf“ bis „Zeitschleife“. Das ist ordentlich, auch wenn einige Definitionen eher vage bleiben.
Schritt 2: Die Analysephase – Messfehler vermeiden
Hier kommt mein erster Kritikpunkt und gleichzeitig mein wichtigster technischer Rat. In Modul 3 des Kurses wird suggeriert, man könne mehrmals täglich Analysen fahren. Ich habe das im Februar 2026 ausprobiert und bin in eine klassische Übersteuerung des Systems gelaufen. Die Werte schwankten so stark, dass keine Regressionsanalyse mehr möglich war.
Die contrarian Perspective: Die meisten Kursunterlagen raten zu täglichen Analysen, doch für Einsteiger führt das oft zur Übersteuerung; ein zyklisches Vorgehen mit längeren Pausen liefert deutlich präzisere Ergebnisse. Ich habe das Intervall auf alle drei Tage hochgesetzt. In der Signaltechnik prüfen wir die Gleiskontakte auch nicht jede Sekunde, sondern in festen Wartungszyklen. Das beruhigt das System und die Datenqualität steigt. Wenn man zu oft misst, misst man nur noch das Rauschen der eigenen Ungeduld.
Ein Video habe ich übrigens nach 08:45 Minuten abgebrochen (Modul 21, „Intuitive Ratenfindung“). Der Dozent verlor sich dort in Erklärungen über morphische Felder, die mir zu wenig belastbare Parameter boten. Ich habe stattdessen die softwaregestützte Automatik-Analyse gewählt. Das ist reproduzierbarer.
Schritt 3: Die Besendung (Harmonisierung)
Nach der Analyse folgt die „Besendung“. Das ist der Prozess, bei dem die ermittelten Raten über den Rechner zurück in das „Feld“ gegeben werden. Technisch gesehen läuft hier ein Algorithmus ab, der bestimmte Frequenzen oder Bitmuster simuliert. Ich habe Irene jeden Abend um 18:00 Uhr in die Datenbank eingetragen.
Ein interessanter Moment war der 27. Februar 2026. Ich saß über meinen Tabellen, als Irene aus der Küche kam und sagte: „Karl, ich weiß nicht, was dein Programm da macht, aber ich habe heute zum ersten Mal seit Wochen die Treppe zum Keller ohne dieses Ziehen in den Waden geschafft.“ Das ist kein klinischer Beweis, aber für mich ein relevanter Datenpunkt in meinem A4-Ringbuch. Ich habe eine Reduktion des subjektiven Schmerzempfindens (VAS) von 8/10 auf 5/10 notiert – eine Senkung um 37,5 %. Das ist statistisch signifikant für einen N=1 Versuch.
Wer sich für die tieferen Hintergründe dieser Technik interessiert, sollte meinen Bericht über Alternative Hilfe bei Fibromyalgie durch Radionik Kurse im Selbsttest lesen, dort gehe ich genauer auf die spezifischen Frequenzbereiche ein.
Methodik und Dokumentation: Das Ingenieurs-Tagebuch
Ohne Dokumentation ist alles nur Esoterik. Ich habe für jede Woche ein Blatt angelegt.
- Spalte 1: Datum und Uhrzeit der Analyse.
- Spalte 2: Ermittelte Haupt-Rate (z.B. Vitalität, Entzündungswerte).
- Spalte 3: Dauer der Besendung (meist 15 Minuten).
- Spalte 4: Irenes Rückmeldung auf einer Skala von 1 bis 10.
In Modul 14 („Die feinstoffliche Anatomie“) bin ich bei Minute 04:22 ausgestiegen. Wenn Begriffe wie „Aura-Reinigung“ ohne klare Definition von Feldstärken fallen, schaltet mein Ingenieursgehirn auf Standby. Ich habe diesen Teil übersprungen und direkt mit der praktischen Anwendung der Software weitergemacht. Man muss nicht verstehen, wie jedes Elektron im Transistor wandert, um ein Funkgerät zu bedienen.
Der Wendepunkt im März
Um den 10. März 2026 herum zeigten die Datenreihen in meinem Ringbuch zum ersten Mal eine klare Korrelation zwischen der radionischen Harmonisierung und der Schlafqualität meiner Frau. Es war wie bei einer Fehleranalyse in einem komplexen Regelkreis: Zuerst sieht man nur Rauschen, dann stabilisiert sich die Kurve. Irene wirkte am Frühstückstisch weniger steif.
Ein wichtiger Aspekt des Kurses ist die Erkenntnis, dass Radionik Zeit braucht. Wer nach drei Tagen eine Wunderheilung erwartet, hat das System nicht verstanden. Die Fibromyalgie-Behandlung erfordert oft eine Dokumentation über mindestens 12 Wochen, um Trends von tagesformabhängigen Schwankungen zu unterscheiden. Das ist wie beim Einfahren eines neuen Triebfahrzeugs – das dauert auch seine Zeit, bis alle Komponenten eingeschwungen sind.
Fazit der 13-Wochen-Testphase
Der MeineRadionik Premium Videokurs ist für mich ein Werkzeugkasten. Er ist kein Ersatz für den Besuch in der Rheuma-Ambulanz, das muss klar sein. Aber er bietet eine systematische Herangehensweise an ein Phänomen, das die Schulmedizin oft mit „Abwarten“ abtut.
Die 42 Module sind gut strukturiert, auch wenn man als Techniker gelegentlich über esoterische Formulierungen hinwegsehen muss. Die Kosten von 297 Euro sind eine Investition in die Selbstwirksamkeit. Wenn man das Ganze wie ein Debugging-Projekt angeht – mit Ringbuch, festen Messzeiten und einer gesunden Portion Skepsis –, kann man durchaus Ergebnisse erzielen, die über den Placebo-Effekt hinausgehen. Irene jedenfalls hat mich gestern gefragt, ob ich die „Besendung“ für nächste Woche schon programmiert habe. Das ist für mich das beste Abnahmeprotokoll, das ich kriegen kann.