
Ich klicke zum dritten Mal auf denselben Punkt im Hauptmenü, weil ich nicht glauben will, dass das schon alles ist. Sieben Einträge. Keine Untermenüs, keine versteckten Reiter, kein zweites Fenster, das aufspringt. Bei einer Software, die behauptet, Radionik für Heimanwender zugänglich zu machen, hatte ich für meinen Test mehr erwartet – im negativen Sinn: mehr Regler, mehr Fallstricke. EasyRadionik für Windows hat mich in der ersten halben Stunde eher durch das überrascht, was fehlt, als durch das, was da ist.
Zur Einordnung, bevor es weitergeht: Ich bin kein Arzt, kein Heilpraktiker und kein Mensch mit esoterischer Mission. Ich war Entwicklungsingenieur bei Siemens Mobility, zuständig für Signaltechnik im Regional- und Straßenbahnverkehr, 32 Jahre in derselben Abteilung. Mit Radionik beschäftige ich mich, weil meine Frau Irene seit Januar 2023 die Diagnose Fibromyalgie hat und ich als Ingenieur eben Daten sammle, wenn ein System unklar bleibt. Schmerzmanagement ist bei uns zuhause in Karlsruhe-Durlach seitdem ein Dauerthema, und meine Notizen ersetzen keinen Termin bei der Neurologin oder der Rheuma-Ambulanz, das will ich vorab klarstellen.
Sieben statt vierzehn: Der erste Eindruck von EasyRadionik
Als ich die deutschsprachigen Radionik-Angebote auf DigiStore24 im Frühjahr 2024 zum ersten Mal systematisch sondiert habe, war meine erste Reaktion die eines Ingenieurs, der auf Redundanz steht: mehr Funktionen gleich mehr Sicherheit, so denkt man in der Signaltechnik. Nach der langen Odyssee durch Orthopädie-Praxen mit Irene hatte ich allerdings schon gelernt, dass zu viele Variablen eher zu Verwechslungen führen als zu Klarheit. Genau deshalb ist mir EasyRadionik aufgefallen: Im Vergleich zur Standard-Version MeineRadionik vom selben Anbieter kohnlesoft ist das Hauptmenü radikal eingedampft.
Sieben Einträge stehen im Hauptmenü von EasyRadionik, die Standard-Version kommt auf vierzehn. Bei MeineRadionik habe ich beim ersten Versuch zwölf bis vierzehn Klicks gebraucht, bis überhaupt ein Radionik-Vorgang lief – bei EasyRadionik ging es durch die reduzierte Struktur merklich schneller. Mein Nachbar, der im Keller maßstabsgetreue Holzmodelle von Dampflokomotiven baut, hätte an dieser Stelle vermutlich gesagt: weniger Teile, weniger Fehlerquellen. Er hat recht, auch wenn er von Radionik grundsätzlich nichts hält.

Die Lernkurve ist flacher, aber nicht flach genug
Flacher heißt nicht einfach. Ohne Vorwissen bleibt auch EasyRadionik ein Stellwerk ohne vollständige Beschriftung. Das Glossar zählt 34 Einträge - für Anwender ohne Fachkurs ist das knapp bemessen, und ich habe das im Lauf des Tests selbst zu spüren bekommen.
Verstanden habe ich das System der Software erst richtig, als ich parallel den MeineRadionik Premium Videokurs von Simone Heinzig durchgearbeitet habe – die Software allein liefert zu wenig Kontext, um die Begriffe einzuordnen. Beim Scrollen durch die Modul-Liste in der Kursnavigation hört man das Mausrad regelrecht über die Einträge kratzen, wenn man wie ich jedes Kapitel kurz anspielt, bevor man entscheidet, ob es den Aufwand lohnt.
Etwa in Woche zwölf meines Testzeitraums ist mir das besonders deutlich geworden: Ich habe einen Begriff aus einem der späteren Module im Glossar gesucht, genau an der Stelle, an der ich ihn nach der alphabetischen Reihenfolge erwartet hätte – und er stand dort schlicht nicht drin. Kein Verweis, keine Fußnote, nichts. Für ein Produkt, das sich an Einsteiger richtet, ist das ein Lastenheft-Fehler erster Kategorie.
Nicht jedes Modul lohnt den Klick
Um die Software überhaupt sauber zu beurteilen, habe ich mich durch die vierzehn Stunden Videomaterial des Premium-Kurses gearbeitet – zwölf Hauptmodule, drei Anhang-Kapitel. Jedes Modul wie eine technische Fortbildung behandelt: Notizen ins Reine schreiben, Taschenrechner daneben, keine Abkürzungen.
Nicht jedes Modul hat sich gelohnt. Modul 3 habe ich nach genau 12 Minuten abgebrochen, weil die Herleitung dort mehr Gefühl als Messwert transportiert hat. Modul 7 war nach 18 Minuten für mich durch, als es um Hardware-Zusatzkomponenten ging, die für ein Reihenhaus in Durlach schlicht überdimensioniert sind. Wer das Material unkritisch durchklickt, verliert sich in der Theorie, ohne an der Software selbst je etwas zu lernen.
Eine Leserin, Brunhilde Strack, hat mir vor einiger Zeit über das Kontaktformular geschrieben und nach dem Kurs mit den geringsten Vorkenntnissen gefragt. Sie liest grundsätzlich jeden Glossar-Abschnitt vollständig durch, bevor sie ein neues Kapitel öffnet – bei 34 Einträgen dürfte sie damit schneller durch sein als bei den dickeren Kursunterlagen, aber ob ihr das reicht, muss sie selbst entscheiden, nicht ich.

Reicht das Glossar für den Einstieg ohne Vorkenntnisse?
Die Software arbeitet mit derselben Kernlogik wie die teureren Varianten, sperrt aber den Zugriff auf die tieferen Datenbank-Strukturen. Technisch ist das eine Beschränkung. Für die Praxis der Schmerzverarbeitung bei Fibromyalgie ist es eher ein Vorteil: Wer an vierzehn Reglern gleichzeitig dreht, weiß am Ende nicht mehr, welcher Impuls was bewirkt hat. Bei sieben Parametern bleibt die Kausalitätskette zumindest subjektiv nachvollziehbar – subjektiv ist hier das Stichwort, nicht belegt. Die Featureliste von EasyRadionik deckt sich zudem zu rund 80 Prozent mit der Standard-Version, wer das weiß, kauft bewusster und nicht blind.
Bevor wir überhaupt bei Radionik gelandet sind, hatten wir andere Ansätze durch. Ein TENS-Gerät aus dem Sanitätshaus lag nach drei Wochen ungenutzt in der Schublade, weil der Effekt für Irene kaum spürbar war. Als sie neulich kurz über meine Schulter auf den Bildschirm mit den sieben Menüpunkten schaute, meinte sie nur trocken: Und das soll jetzt die einfache Version sein? Mehr Kommentar gab es nicht, und ich werte das auch nicht als Beleg für irgendetwas – nur als Notiz am Rande.
Fazit nach dem Heimanwender-Test
EasyRadionik ist kein Wunderheiler-Programm, sondern eine schlanke Windows-Anwendung für Leute, die im Rahmen ihrer Selbsthilfe Struktur in ihr Schmerzmanagement bringen wollen, ohne sich durch ein Interface mit vierzehn Menüpunkten zu kämpfen. Wer glaubt, mit 34 Glossar-Einträgen allein auszukommen, wird an echte Grenzen stoßen. Das Gehäuse ist solide, aber der Motor sitzt im Videomaterial – deshalb empfehle ich den MeineRadionik Premium Videokurs weiterhin als Begleitmaterial, auch für alle, die nur mit der Easy-Software arbeiten.
Was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, rechne ich grundsätzlich auf die Stunde Material um, bevor ich eine Kaufentscheidung für mich nachvollziehbar finde – diese Rechnung führe ich an anderer Stelle ausführlicher, hier würde sie den Rahmen sprengen. Die Preise auf den Herstellerseiten ändern sich ohnehin gelegentlich, deshalb lohnt sich vor dem Kauf immer ein Blick auf den aktuellen Stand direkt beim Anbieter.
Für einen tieferen technischen Einstieg lohnt sich ein Blick in meinen Radionik Software Vergleich für Ingenieure, wo ich die Varianten nebeneinanderlege. Für uns bleibt es vorerst bei dieser Kombination aus Software und Kurs – nicht als Ersatz für die Rheuma-Ambulanz, sondern als ergänzendes Messinstrument im Alltag.